Bild von Trump mit Text und Fragezeichen im Hintergrund; Social Media Künstler und Twitter Nutzer Donald Trump

Trump und Twitter: sind 140-Zeichen eine Bedrohung?

Twitter und Trump: „Der Weltuntergang kommt in 140 Zeichen“

So oder ännlich lese ich häufig und die Reporter gehen davon aus, dass Trumps Twitter Äußerungen zu komplexen Vorgängen hochriskant sind. Beispiele sind Boeing (Börsenwert fiel daraufhin um mehrere Milliarden Dollar), Taiwan (China reagiert aggressiv auf eine mögliche Änderung der Ein-China-Politik) oder gar der atomaren Bedrohung („must greatly strengthen and expand nuclear capability until world comes to its senses“).

Hier ein Artikel aus dem Handelsblatt zum Thema: http://www.handelsblatt.com/politik/international/trumps-twitter-tiraden-wenn-tweets-fuer-firmen-zum-risiko-werden/14950972.html

Sind diese 140-Zeichen-Botschaften nun eine unzulässige Vereinfachung und wie hoch sind die Risiken wirklich?

Ich finde Trumps Twitterbotschaften gut!

Die erste Frage ist grundsätzlicher Art: Kann man komplexe Dinge in 140 Zeichen (oder einem kleinen Mehrfachen davon) abbilden?

Ich würde das mit „Ja und Nein“ beantworten: Als Berater bzw. Coach verlange ich von meinen Kunden, dass sie  zumindest in der Lage sind, jeden Vorgang in einem Satz zusammenzufassen (und das muss wirklich geübt werden!).

Wer es nicht schafft, komplexe Vorgänge zu extrahieren und zu konzentrieren, hat sie entweder nicht vollständig verstanden oder er kann sie außenstehenden Personen nicht erklären.

„Schumi unser Regengott“

Beispiel: Schumacher 1995 in Spa; die allgemeine Presse titelte ungefähr so: „Michael Schumacher konnte trotz des ungünstigen Startplatzes 16 im Laufe des Rennens aufholen und da er mit der regnerischen Witterung besser zurechtkam als seine Konkurrenten gelang es ihm überraschenderweise das Rennen zu gewinnen“

Die Bild-Zeitung verdichtete das zu „Schumi, du Regengott!“

Natürlich ist in der 21-Buchstaben-Botschaft weniger Inhalt/Komplexität enthalten, aber ratet mal, welche Zeitung sich am 28. August 1995 besser verkaufte?

Gute Politik ist das eine, Akzeptanz bei den Wählern das andere

Wichtig ist, dass ein Präsident (Manager etc.) in der Lage ist, seine Botschaft extrem komprimiert und mit hoher Reichweite präsentieren zu können. Das gelingt Trump sehr erfolgreich und verglichen mit unserer (inhaltlich tatsächlich außerordentlich erfolgreichen) Kanzlerin erreicht er seine Wählerschaft wesentlich besser. Das macht noch keine gute Politik, aber Wähler müssen einfach verstehen, was ihre Politiker machen und warum sie es machen, auch wenn sie die Komplexität häufig nicht im Detail nachvollziehen (wollen).

Das Gesamtpaket: Gute Politik, klare Ansage, ausführliche Erklärung

Erste Voraussetzung: gute Arbeit zu leisten. Ohne erfolgreihe Arbeit nutzt die beste PR nichts.

Dann kommt aber sehr schnell auch eine klare und gute Kommunikation. Und die muss mehrstufig erfolgen.

Hohe Reichweite und klare Position: Twitter.

Details und Hintergrundinfo: z.B. Bundespressekonferenz oder Ansprachen.

Twitter ist weder das Problem noch die Lösung

Twitter ist nur ein Werkzeug. Trump zeigt, dass es ein außerordentlich mächtiges Werkzeug ist und wer es nicht nutzt, verschenkt Potenzial. Das gilt für Politiker, aber genauso auch für Manager, egal ob es sich um interne oder um externe Kommunikation handelt.

Anders als Trump es exerziert würde ich jedem Manager einen guten Kommunikationsberater an die Seite stellen, der Rechtschreibung und Wirkung der Tweets im Vorfeld überprüft und Tweets ggf. mit weiterer Kommunikation ergänzt. Aber Twitter (etc.) nicht zu nutzen fände ich zumindest fragwürdig.